Singapur

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Tipps im Blog

Wie beginnt man ein neues Leben in einer fremden Kultur? Das muss wohl jeder für sich selbst herausfinden und seinen Weg suchen. Hier berichte ich von meinen ganz eigenen Erlebnissen und ein paar Tipps für den Alltag in Singapur sind auch dabei.

Arts from the street

TagebuchPosted by Frauke Fri, January 19, 2018 10:02:14
Das war mal richtig cool. Das ArtScience Museum hat eine Ausstellung über Street Art eröffnet, die noch bis zum Juni andauert. Auf diese Pressekonferenz habe ich mich schon seit Wochen gefreut! Solche Media-Events können ja ziemlich trocken sein, aber dieses Mal war es dank der Beteiligten anders.


Die Ausstellung behandelt die Geschichte der Straßenkunstszene der letzten 40 Jahre und als Kuratorin war auch Magda Danysz anwesend. Eine absolute Expertin auf dem Gebiet und Galeristin in Paris mit Büros in Shanghai und London. Während sie über die Arbeit an der Ausstellung erzählte, musste ich an mein erstes Schulzeugnis denken. In dem stand: Frauke ist ein sehr erzählfreudiges Mädchen. Tja, mit Madame Danysz kann aber selbst ich nicht mitgalten. Es war mitreißend, wie sie von ihrer Arbeit und der Geschichte der Street Art erzählte.


Am liebsten hätte sie die komplette Entstehung von der anarchistischen Bewegung bis zur Anerkennung als zeitgenössische Kunst erzählt. Aber sie kam doch wieder auf den Grund der Ausstellung zurück: „Mit 40 Jahren Geschichte kann die Bewegung wirklich mal in eine künstlerische Perspektive gebracht werden“.

Die Künstler sind auch zur Rede gekommen. Während des Rundgangs haben anwesende Künstler über ihre Werke erzählt, die benutzte Technik erklärt und ihre Gedanken und Hoffnungen während der Entstehung beschrieben. In allen der sechs Ausstellungsbereiche durften internationale Maler auch Kunstwerke schaffen, die nur für diese fünf Monate im ArtScience Museum gedacht sind. Aufgemalt auf feststehende Wände, im Juni wird alles einfach übermalt. So war es eine tolle Mischung aus alt und neu.

Der Rundgang hat Spaß gemacht. Es war nicht nur bunt, auch Malereien in schwarz-weiß haben sich mit irrer Farbvielfalt oder auch mit nur wenigen aber dafür kräftigen Farben abgewechselt.

Leider meint die Regensaison es besonders hart mit uns in diesem Jahr und wir haben die Outdoor-Werke nicht ansehen können. Komme ich eben nochmal wieder, bis Juni ist noch Zeit.







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Wiener Sängerknaben in Singapur

TagebuchPosted by Frauke Mon, January 15, 2018 14:46:10

Die Wiener Sängerknaben sind zu Besuch in Singapur. Vielmehr einer der Chöre, denn die singenden Matrosenanzüge aus Österreich sind in vier Konzertchöre aufgeteilt: Mozart-, Schubert-, Haydn- und Brucknerchor. Letzterer verbringt gerade eine Woche in Singapur und hält Konzerte und Workshops ab.

Ich habe die Jungs und ihre Begleiter bei dem Willkommensempfang in der österreichischen Residenz kennengelernt und war total begeistert. Am liebsten hätte ich sie alle adoptiert! 20 Heranwachsende auf einem Haufen und das ohne jegliches Geschrei oder irgendwelchem Lärm. Natürlich sind die jungen Sänger öffentliche Auftritte und Empfänge gewohnt, aber ich fand ihr Auftreten schon sehr imposant.


Anfangs waren sie sehr schweigsam, ich dachte schon, sie würden lieber singen als reden, aber nach und nach haben sie doch das Erzählen angefangen. Ich wollte wissen, ob sie neben ihrem normalen Schulunterricht und der Proben auch in Benehmen und Etikette geschult werden, aber da meinten sie einstimmig, dass würden sie nebenbei mitbekommen. Sie seien ja oft unterwegs und stünden ständig in der Öffentlichkeit. Die Interviews gehören aber nicht zu den Lieblingsaufgaben: „Da wird man immer das Gleiche gefragt: Woher kommst Du? Wie bist Du zu den Sängerknaben gekommen? Was ist Dein Lieblingslied?“ Tja, diese Fragen brannten mir auch auf der Zunge aber nach der Ansage hatte ich das Bedürfnis, mir diese zu verkneifen. War aber nicht schlimm, denn dann haben sie es von alleine erzählt. Bunt gemischt mit deutscher, tschechischer und japanischer Herkunft waren sie sich trotzdem einig: „Wir fühlen uns als Österreicher.“ Und wenn einem das ein Japaner in Wiener Dialekt sagt, dann glaubt man das auch.

Gesungen wurde auch, leider nur kurz:

Dann habe ich noch erfahren, dass die ganze Wiener Entourage im Copthorne Hotel wohnt, direkt bei mir gegenüber. Während ich diesen Text schreibe, kann ich auf das Hotel gucken und stelle mir vor, wie die „Burschen“ trällernd durch die Flure springen. Aber dafür sind sie wahrscheinlich viel zu gut erzogen.



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NUS Museum

TagebuchPosted by Frauke Fri, January 12, 2018 15:05:25

Was für eine große Anlage dieses Universitätsgelände der National University of Singapore (NUS)! Sie wurde 1905 gegründet und ist damit die älteste und dazu noch größte der sechs Universitäten in Singapur.

Aus dem Studentenalter bin ich zwar raus, aber trotzdem gibt es Gründe, den Kent Ridge Campus zu besuchen. Das NUS Museum ist nämlich für jedermann zugänglich und hat sich zur Aufgabe gemacht, das intellektuelle und kulturelle Leben innerhalb und außerhalb der Universität aktiv zu fördern. Sowohl bei den ständigen wie auch bei den temporären Ausstellungen fällt der Blick dabei stets auf Asien und seine Entwicklung in allen Belangen.

Noch bis zum 30. Juni 2018 ist zum Beispiel die Ausstellung „Always Moving“ mit Batikkunst von dem singapurischen Künstler Sarkasi Said zu sehen. Batik? War mir bisher nur als in Farbwasser getauchte Klamotten bekannt. Solch ein T-Shirt hatte ich früher auch, lange vor dem Studentenalter. Im NUS Museum hat sich dann mal wieder erwiesen, dass Neugierde schlauer macht.


„Immer in Bewegung“ lautet der übersetzte Name der Ausstellung und in den elf gezeigten Werken ist wirklich viel los. Anspielungen auf Tradition, Natur, imaginäre Räume und Disziplin - also die Basics der singapurischen Entwicklung, sind in Saids Arbeiten verarbeitet. Der 77-Jährige hat die rasante Verwandlung seiner Heimat ja hautnah miterlebt, während er Karriere vom Straßenkünstler bis hin zum renommierten Batikkünstler machte. Der auch unter dem Namen „Tzee“ bekannte Künstler nutzt eine spezielle Wachstechnik, um durch verschiedene Muster auf Textilien seine farbreichen Gemälde zu gestalten. Im Guinnessbuch der Rekorde findet sich der „Baron of Batik“ sogar mit der längsten Batikmalerei, einem 100 Meter langen Gemälde, das er 2003 fertigstellte.

Mich hat die Farbvielfalt, die Tzee hervorbringt fasziniert. Sonst mag ich es eigentlich nicht so bunt an den Wänden, aber während ich im NUS Museum durch die Ausstellung schlenderte, konnte ich mir das eine oder andere Kunstwerk sehr gut in meinem eigenen Wohnzimmer vorstellen.


Das hat absolut nichts mehr mit meinem T-Shirt von damals zu tun und ich erkenne Batik nun ganz reumütig als Kunst an. (Mami, das war damals ein tolles Shirt, Du hättest einfach weiterüben sollen.)

Leider verirren sich meist nur Studenten oder Schulklassen in das Museum, dabei ist bestimmt immer für jeden etwas dabei. Und wenn man erstmal weiß, dass es von der MRT-Station Clementi einen Shuttlebus zum Museum gibt, ist die Anfahrt auch gar nicht kompliziert.

Quellen: NUS, DAAD

NUS Museum
50 Kent Ridge Crescent
National University of Singapore
Singapore 119279

Öffnungszeiten

Dienstag bis Samstag

10 – 18 Uhr

Freier Eintritt





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Buddhas Zahn im Buddha Tooth Relic Temple

TagebuchPosted by Frauke Mon, January 08, 2018 11:33:22

Wir waren mal wieder tempeln in Chinatown, im Buddha Tooth Relic Temple. Relativ neu für eine religiöse Stätte, wurde der Tempel im architektonischen Stil der Tang-Dynastie 2007 eröffnet.

Mehr als 230 Kilogramm Gold wurden dafür gespendet, denn es wurde ein würdiger Platz für eine Reliquie benötigt, welche die Buddhisten für den linken Eckzahn Buddhas halten, der 1980 gefunden und danach in Myanmar aufbewahrt wurde.

Obwohl wir uns im quirligen und lauten Chinatown befinden, ist die Atmosphäre im Tempel entspannend ruhig. Betende Anhänger und faszinierte Touristen ergeben eine erstaunliche Einheit, denn egal aus welchem Grund der Tempel besucht wird, die Schönheit und Ruhe ergreift einfach jeden.


Über vier Stockwerke erstreckt sich der Bau, und die Anzahl der Buddha Statuen in verschiedenen Größen ist enorm. Jede Art von Buddha mit allen der vielen Handhaltungen ist vertreten.

In einem Bereich darf man für schlappe 68 Singapur-Dollar ein Jahr lang seine eigene kleine Figur aufstellen lassen und besuchen. Die muss man allerdings erstmal unter den anderen finden, es müssen Tausende sein.

Die Dachterrasse mit ihrem Orchideengarten ist genau richtig, um eine kleine Pause einzulegen. In einem der vier Pavillons steht die größte „cloisonné“ (kunsthandwerkliche Technik bei Emailarbeiten) Vairocana Gebetsmühle der Welt. Vairocana ist einer der fünf großen transzendenten Buddhas, die für verschiedene Weisheiten stehen. Grob zusammengefasst stehen sie alle für Wahrheit und Realität. Buddha ist also nicht gleich Buddha, es gibt Unter- und Nebenarten und sehr viele verschiedene Lehren. Würdenträger des Tempels geben regelmäßig interaktive Workshops und wer sich näher mit der Materie befassen möchte, kann sich hier anmelden: buddhistculture@btrts.org.sg



Wir wollten nun aber endlich den berühmten Zahn ansehen und sind in den vierten Stock in die Sacred Light Hall gegangen. Während im gesamten Gebäude das Fotografieren erlaubt ist, darf der Eckzahn auf keinen Fall abgelichtet werden. Solche Verbote sollte man auf jeden Fall respektieren, denn da kennen die Aufpasser keinen Spaß und das Erwischt werden ist mit langen Diskussionen verbunden, während denen man auch festgehalten wird und die Fotos letztendlich sowieso wieder löschen muss. Also haben wir uns den Zahn nur angesehen. Er ist viel größer, als ich erwartet hatte, aber gut erhalten und zu erkennen. Die Kammer ist sehr pompös mit Gemälden, Statuen und dem gespendeten Gold ausgestattet. Allerdings dürfen nur die Mönche an den Zahn herantreten, wir mussten uns außerhalb der Kammer mit einem Blick durch die Scheibe begnügen.

Schade, dass sich irgendwann herausgestellt hat, dass der Zahn, um den das Gebäude herumgebaut wurde, wohl von einer Kuh stammt. Das will aber verständlicherweise niemand hören und ist eigentlich auch egal. Denn ohne ihn könnten wir nicht jederzeit diesen wunderschönen Tempel besuchen und einfach mal ruhig durchatmen.


Montag bis Sonntag 7.00 - 19.00 Uhr

Der Eintritt und die wöchentlich stattfindenden, geführten Rundgänge sind kostenfrei

Angemessene Kleidung tragen: keine nackten Rücken und Schultern, Shorts, Mini-Röcke etc.

Im Kellergeschoss wird kostenlos vegetarisches Essen ausgegeben, wofür aber gerne Spenden angenommen werden



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Weihnachtsfeier im Condo

TagebuchPosted by Frauke Wed, December 20, 2017 13:46:53

Eine Weihnachtsfeier jagt die nächste. Schon verrückt, denn wir befinden uns in einem Land, in dem der Großteil der Bewohner nicht dem Christentum angehört und mit der ganzen „Jesus-ist-geboren-das-muss-gefeiert-werden-Tradition" gar nichts am Hut hat.

Aber die ganze Welt mag nun mal unser Weihnachten, weil das Drumherum so schön ist. Wenn ich durch die Orchard Road spaziere, sehe ich allerdings auch, dass man es übertreiben kann... In diesem Jahr waren wir zum ersten Mal bei der Weihnachtsfeier in unserem Condo zugegen. Die meisten internationalen Schulen haben schon Ferien und so tummelten sich überwiegend asiatische Nachbarn in den beiden function rooms unserer Wohnanlage.


Die Kinder durften sich mit dem Weihnachtsmann unterhalten und die Ballonkünstler beschäftigen, während die Erwachsenen eher auf die Eröffnung des Büffets warteten. Da konnte man praktischerweise auch mal schnell direkt vom Pool hineilen, denn spielen und schwimmen macht hungrig - keine Zeit zu Umziehen:


Von dem Essen ist nichts übriggeblieben, denn der schlaue Mann baut vor. Die Leute haben die Speisen direkt vom Tisch in ihre Taschen wandern lassen, eine Dame neben uns war sehr gut mit Tüten und Karton vorbereitet. Ich habe keine Ahnung, ob sie wirklich in unserem Condo wohnt, aber essensmäßig ist sie nun bis Weihnachten ausgestattet.
Da es doch eher eine Feier für die Kinder war, haben wir uns bald in unseren 30. Stock auf den Balkon zurückgezogen. Angespornt von den Nachbarn, haben auch wir einen Teller stibitzt und das Dessert zu zweit beim Sonnenuntergang genossen.







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Christmas Party

TagebuchPosted by Frauke Mon, December 04, 2017 08:48:51

Wenn der Hubby (Kosename für Husband) auf Geschäftsreise ist, kann die sturmfreie Bude gerne mal für einen Mädelsabend genutzt werden. Etwas Essen und gekühlte Getränke, dann läuft es mit einem Haufen von 20 Mädchen.


Wir haben ordentlich gewichtelt (auch wenn ich meinen norddeutschen Julklapp gerne habe) und nun gibt es neue Weihnachtsbaumanhänger im Hause Jaensch. Jedes Geschenk durfte drei Mal „geklaut“ werden. Am beliebtesten waren der Thüringer Mininussknacker und ein Adventskalender mit halbnackten Jungs auf der Vorderseite. Frauen sind halt praktischer veranlagt. Während die Männer heute noch weinen, dass der Pirelli-Kalender keine nackten Mädchen mehr präsentiert, ist uns die Schokolade dabei wichtiger. Beim Knallbonbons ziehen war ich ganz vorne mit dabei und habe auch tapfer die gewonnene grüne Papierkrone getragen. Da muss man durch, wenn man zu laut „hier“ schreit. Ich mag diese Abende mit alten Bekannten und neuen Gesichtern, deren Geschichten ich dann so gerne höre. Vielen Dank für die Einladung und diesen puppenlustigen Abend, das Video bleibt unter uns Mädels!





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Inklusion braucht Aktion

TagebuchPosted by Frauke Tue, November 28, 2017 16:47:18

29.000 Kilometer in 18 Monaten auf dem Fahrrad durch die Welt, das ist das Ziel von Sven Marx. Als Botschafter für „Inklusion braucht Aktion“ möchte er Vorurteile und Barrieren in den Köpfen abbauen und Verbindungen zwischen Menschen mit und ohne Handicap schaffen. Auf seinem Zwischenstopp in Singapur habe ich den ehemaligen Dachdecker aus Berlin getroffen und war ziemlich beeindruckt.

Sven Marx will auf Missstände aufmerksam machen, die Körperbehinderten das Leben erschweren und sie vom normalen Alltag aussperren. Bahnsteige, die nicht mit dem Rollstuhl befahrbar sind, sperrige Bordsteinkanten und zu hohe Buseinstiege sind nur einige Beispiele dafür. Der 50-Jährige ist dafür nämlich in eigener Mission unterwegs. Nach einer Operation am Hirnstamm im Jahr 2009, bei der ihm nur die Hälfte eines Tumors entfernt werden konnte, sieht er dauerhaft Doppelbilder, was das räumliche Sehen unmöglich macht und Gleichgewichtsprobleme mit sich bringt.
Seine ganz eigene Therapie bestand aus Fahrradfahren. Dabei konnte er Muskeln aufbauen und auf dem Rad das Gleichgewicht zu halten ist viel einfacher als zu Fuß, weil nicht jeder Schritt ausbalanciert werden muss: „Auf dem Fahrrad ist das nur beim Start wichtig, danach rollt es von alleine“, hat er mir erklärt. „Nach meiner Operation wurde mir von den Ärzten gesagt, ich werde nie mehr reisen. Ich habe mir immer gesagt, Du bist krank, kannst aber ganz viele Dinge tun.“ Zwei Jahre später plante er bereits mit seinem Sohn eine gemeinsame Fahrradtour an die Ostsee. Sechs Wochen vor der Abreise kam eine erneute schwere Diagnose: Schwarzer Hautkrebs, der in einer weiteren Operation entfernt wurde. Danach fasste er den Entschluss, auf Weltreise zu gehen, sollte er mit diesen zwei lebensbedrohlichen Krankheiten seinen 50. Geburtstag erreichen. Und so startete er im April vergangenen Jahres am Brandenburger Tor und radelte durch Deutschland und Osteuropa über die Mongolei nach Japan und weiter durch Südostasien. In allen Ländern und Städten seiner Route kündigt der Globetrotter sich per Mail bei den diplomatischen Vertretungen an. “Meistens wird ein gemeinsames Foto mit dem Konsul oder Botschafter gemacht, etwas geredet und dann fahre ich weiter. So wie in Singapur, dass noch andere Gäste eingeladen werden, das kommt selten vor.“ In der deutschen Residenz wurde Sven Marx vom deutschen Botschafter empfangen und auch von Vertretern mehrerer Institutionen für Gehandicapte begrüßt. Zu dieser Runde war auch die Presse eingeladen und darum hatte ich die Gelegenheit, Sven Marx kennenzulernen. Wir waren alle sehr berührt, als er uns seine Geschichte erzählte und es war offensichtlich, wie wichtig ihm diese Reise ist, und auch wie stolz er auf sich selbst ist, es nach solch einer schweren Krankheit so weit geschafft zu haben. Als er von der Unterstützung seiner Frau und seines Sohnes erzählte, standen ihm die Tränen in den Augen. Chia Yong Yong, Präsidentin der singapurischen Gesellschaft für Behinderte und selbst auf den Rollstuhl angewiesen, zeigte sich beeindruckt von dem Deutschen: „Wir brauchen Menschen wie Sie, die ihre eigene Geschichte nutzen, um Erfahrungen zu teilen.“

Heute Abend fliegt Sven Marx weiter nach Australien und es werden noch weitere Kontinente folgen. Die Route ist auf seiner Homepage www.sven-globetrotter.com nachzulesen und wer möchte, kann Sven Marx auch finanziell unterstützen. Trotz Sponsoren trägt er einen großen Teil der Kosten selbst und hofft, dass die finanziellen Reserven bis zum geplanten Ende im November 2018 ausreichen.



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(Un)filtered Reflections

TagebuchPosted by Frauke Thu, November 23, 2017 17:09:23

Die Foundation d’entreprise Hermès hat eingeladen, nicht nur Halstücher und Handtaschen (wobei das auch hohe Kunst sein kann!), anzuschauen, sondern auch Werke der japanischen Künstlerin Noriko Ambe anzusehen.


Ich war mit einer Freundin dort und wir haben anfangs nicht verstanden, worum es geht. Auf dem ersten Blick haben wir eine Menge Papierschnipsel vorgefunden, aber dann lichtete sich das Feld: Noriko, die auch bereits im MoMA in New York ausstellte, hat mit Schülern aus Singapur ein Projekt erarbeitet, in dem diese Schüler ihr Bücher und Zeitschriften, die mit dem Schulunterricht zusammenhängen, überlassen haben. Dazu gab es Informationen für die Künstlerin, wie die Schüler zu dem jeweiligen Unterricht stehen. „Die jungen Leute im Alter von 13 bis 18 Jahren haben nur noch ihren Schulabschluss im Kopf und dann haben sie noch so viel sich selbst zu tun, weil sie in der Pubertät sind. Das ist wirklich keine einfache Zeit.", erklärt die Japanerin und erzählt auch gleich einige der Geschichten, die die Ausstellungsobjekte haben entstehen lassen. Damit erklärt sich auch der Titel der Ausstellung, „(Un)gefilterte Reflexionen“.

Hier hat ein Schüler gemeint, dass der Mathematikunterricht unerträglich sei. „Vernichte es einfach", war sein Kommentar dazu. Also hat die Papierkünstlerin die Seiten geschreddert und kunstvoll wieder zusammengesetzt.

Daraufhin haben wir uns mit einem anderen Blick erneut umgesehen und unsere eigenen Gedanken gemacht. Sind die verschnürten Pakete entstanden, weil der Abschluss kurz bevorsteht? Sieht das eine aus wie eine Schultüte, weil es jetzt erst richtig losgeht?

Wir hatten wirklich viel zu tun bei dieser Ausstellungseröffnung und haben uns Geschichten ausgedacht, die in Wirklichkeit wohl ganz anders sind. Aber es war eine tolle Erkenntnis, vom anfänglichen ‚was sollen diese gelöcherten Buchseiten‘ zu einem ,findet der Musikunterricht wirklich so schlimm?‘ zu wechseln.

Ich habe die Befürchtung, dass die wirklichen Erklärungen gar nicht so spektakulär sind, wie unsere Phantasie uns vormachen wollte. Darum sollte man die Wahrheit besser gar nicht erst erfahren, sie könnte sehr ernüchternd sein.



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Ambassadors‘ Cup Changi Sailing Club

TagebuchPosted by Frauke Sun, November 19, 2017 12:16:02

29 Botschafter segelten im Changi Sailing Club einen Tag lang um die Wette, um für das Charity Sailing Program des Clubs zu werben und Spenden zu sammeln. Wir durften dabei sein und unter österreichischer Flagge fahren.

Mit an Bord neben der österreichischen Botschafterin waren noch der evangelische Pfarrer, mein Mann und die wunderbare Crew, ohne die wir nicht sehr weit gekommen wären. Zu unserem Glück war auch der Commodore des Changi Sailing Club als Steuermann an Bord. Jeff hatte zusammen mit Bootsbesitzer Lucas alles im Griff auf dem Schiff voller Laien.

Den Start haben wir sehr gut überstanden, aber zuvor war es sehr abenteuerlich. Ein heilloses Durcheinander herrschte auf dem Wasser am Changi Beach, als die Boote sich auf ihre Startpositionen manövrierten. Kreuz und quer wurde herumgefahren und ich hatte wirklich Angst vor einem Crash, denn so manche Begegnung war mehr als knapp. Und dann passierte es auch tatsächlich: Dirk saß, die Beine im Wasser baumelnd wie ihm geheißen, auf der Seite und ein Konkurrent kam näher und näher in seine Richtung. Gerade noch rechtzeitig ist mein Mann aufgesprungen, bevor uns das andere Boot voll in die Seite gerammt ist. Schockschwerenot! Kein Personenschaden zum Glück, aber das wird bestimmt teuer. Ich verrate nicht, welcher Botschaft die Mannschaft angehörte, nur so viel: Sie sprechen kein Deutsch.

Vom Schock erholt folgte auch gleich der Start, den wir trotz des Unfalls meisterlich absolvieren konnten. Sprich, ich habe meisterlich klein in meiner Ecke gehockt und die Profis machen lassen. Dann lagen wir sehr gut in der Spur und fuhren vorne mit. Der Regen setzte ein, aber das stört keinen Segler - denn so fühlten wir uns bald. Vor allem nachdem wir zum x-ten Mal die Seiten wechseln mussten, dem sogenannten Tacking. Das hat sich schnell eingespielt und ich glaube, die Profis haben uns grundlos mehrmals nur aus Spaß hin und her gescheucht. Das wurde auf Nachfrage natürlich verneint - naja. Dafür gab es zwischendurch etwas zu essen. Rosanne, unsere Skipperfrau, hat immer wieder Häppchen aus der Kombüse hochgereicht.

Dann kam der Regen so richtig. Und hörte nicht mehr auf. Wir waren trotz der Regenjacken komplett durchgeweicht und – man staune! - durchgefroren.

Dann gab auch noch der Wind auf. Nix mehr, Flaute, nada! Nach einer Stunde absolutem Stillstand haben wir den sowieso schon verlorenen (und nie angepeilten) Sieg aufgegeben und den Motor gestartet. An Land angekommen, ging es erst unter die heiße Dusche und in trockene Klamotten. So konnte die Party starten und wir haben gemeinsam mit unserer Super-Crew nochmal Vollgas gegeben. Die Tanzfläche war gerammelt voll, immer ein Verlass bei südamerikanischen Gastgebern (in diesem Fall war es der chilenische Botschafter).


Wieder zu Hause haben wir die nassen Klamotten sofort in die Waschmaschine getan und diese angestellt. Dadurch ist ein kleines Problem entstanden, denn die Visitenkarte unseres Skippers war noch in der Hose und wurde mitgewaschen. Aber wir haben uns wiedergefunden und am nächsten sonnigen Wochenende wird gesegelt!





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Regenzeit

TagebuchPosted by Frauke Fri, November 10, 2017 15:26:01

Als Hamburger Deern bin ich ja Wasser von oben gewohnt, aber was in letzter Zeit hier abgeht, ist heftig. Denn wir befinden uns mitten in der Regenzeit, die von Oktober bis Februar andauert.

Wer hat mir mal erzählt, dass Regenzeit bedeutet, da schüttet es 'ne halbe Stunde und danach kommt die Sonne wieder raus und alles ist ganz schnell trocken?

Nix da! Es schüttet, oft stundenlang und in den letzten Tagen frecher Weise sogar tagsüber. Sonst kommt der Regen nämlich nachts oder in den Morgenstunden – meinetwegen. Aber am Tag muss doch nicht sein. Heute haben wir wie jeden Morgen alle Fenster aufgemacht um durchzulüften. Ergebnis: Frieren ohne Klimaanlage, ganz was Neues. Ich wollte eine Jacke überziehen (bei 25 Grad – habe mich wohl mittlerweile klimatisiert). Aber die Jacken sind ganz oben weit hinten im Schrank und ich hätte die Leiter gebraucht.
Solange es nur regnet, ist es nervig (Flip-Flops werden dann so rutschig…), aber wenn ein Gewitter richtig losdonnert und die Blitze direkt über unserem Haus krachen, bekomme ich wirklich Angst. Singapur hat die meisten Blitztoten weltweit, das lässt vorsichtig werden.

Nach dem Frühstück bin ich also mit Regenschirm raus um Besorgungen zu machen. Da in Singapur alles seine Ordnung hat, dürfen tropfende Regenschirme nicht in die Gebäude und Malls genommen werden. Vor jedem Einkaufszentrum und jedem Geschäft stehen Behälter mit Plastiktüten für die Schirme.

Unsere Gästedusche dient zurzeit als nasse-Regenschirme-Lagerplatz. Wenn dort kein Schirm liegt, sind wir auch nicht da. Auch morgen nicht, da sind wir zu einer Segeltour eingeladen, ich bin gespannt!



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